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Sport und Asthma – geht das überhaupt?

Aktualisiert: 20. Mai 2021

Asthma verbinden die meisten mit dauerhaftem Husten, Inhalieren und meist wohl auch mit dem Notfallspray, welches bei einem Anfall zum Einsatz kommt. Was genau sich dabei hinter der Erkrankung verbirgt, wie sie sich äußert und was im täglichen und sportlichen Umgang beachtet werden sollte, kennen viele nur schemenhaft.

Aus meiner eigenen Erfahrung im sporttherapeutischen Bereich weiß ich, dass viele kleine Patienten immer wieder berichten, dass sie ihren Sportunterricht meist auf der Bank sitzend verbringen und, wenn überhaupt, nur vereinzelt mitmachen dürfen. Die Gründe liegen auf der Hand: zu groß ist die Unwissenheit und die Angst über die Erkrankung bei vielen Lehrerkollegen. Bevor etwas passiert bleiben die Kinder so auf der Bank.


Dabei sind die Folgen schwerwiegend. Das Kind, welches in Bewegungssituationen ausgeschlossen wird, verpasst wichtige soziale Lernprozesse, hat oftmals nicht die Möglichkeit den eigenen Körper in Anstrengungssituationen kennen zu lernen und entwickelt durch diese komplex miteinander verworrenen Situationen oftmals ein lückenhaftes Selbstbildnis mit einer geringen Handlungsfähigkeit hinsichtlich der eigenen Erkrankung. Diese mangelnde Complience begleitet diese Person ein Leben lang und weit über den Sport hinaus.Aktiv werden


Asthma, was ist das?


Doch was genau verbirgt sich hinter der Erkrankung Asthma bronciale?- Werfen wir einmal einen kurzen Blick in den Fachbereich der Medizin. Asthma ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Atemwege mit einer Erhöhung des Atemwegwiderstandes. Meist kommt es auf Grund von verschiedenen endogenen und exogenen Faktoren zu anfallsartigen Beschwerden. Dabei handelt es sich vor allem um Atemnot und Atemgeräusche. Hervorgerufen werden diese Symptome durch entzündliche Prozesse und einem reaktionsbereiten Organismus. In so genannten rezidivierenden, also wiederkehrenden, Episoden kommt es zu Atemnot, Engegefühl in der Brust und Husten. Häufig werden diese Beschwerden von Erkrankungen der Atemwege begleitet. Auf Grund der Häufigkeit der Entzündungen kommt es außerdem zu einer Hyperreagibilität gegenüber verschiedener Stimuli.


Asthma entsteht auf Grund eines komplexen Wechselspiels aus genetischer Disposition, Umwelteinflüssen und Allergenexpositionen. Mittlerweile wird Asthma sehr gut im ambulanten Bereich behandelt und eingestellt. Es kommt zu einer immer geringeren Notwendigkeit der stationären Aufnahme. Zu verdanken ist dies der Entwicklung von guten und sehr wirksamen Medikamenten zur Langzeitbehandlung.


Welche Formen gibt es? Was sind die Auslöser?


Es gibt drei Formen des Asthma bronchiale. Diese werden nach auslösenden Faktoren eingeteilt.


  • Extrinsisch, nicht-allergisches: betrifft ca. 10% der betroffenen Kinder

  • Gemischt: betrifft mehr als 85% der betroffenen Kinder

  • Intrinsisch, von innen kommend (z.B. Kälte): betrifft unter 5% der betroffenen Kinder, im Erwachsenenalter häufiger


Auslöser für diese Asthmaformen können zum Beispiel Allergene wie Hausstaubmilben oder Pollen, aber auch bestimmte Nahrungsmittel sein. Zusätzlich reagieren viele Betroffene auch auf Tierhaare, Schimmelpilzsporen oder Insektenstiche. Diese allergischen Reaktionen treten meist innerhalb kurzer Zeit (c. 20-30 Minuten) nach dem Kontakt mit dem Allergen auf.


Im Zusammenhang mit Atemwegsinfekten können bei Kindern in allen Altersstufen ebenfalls Asthmasymptome auftreten.


Ein weiterer, für den Sport und die Bewegung, sehr wichtiger Faktor ist die Reaktion des Körpers auf Anstrengung. Beim so genannten Belastungs- oder Anstrengungsasthma löst eine körperliche Betätigung eine Reaktion in den Bronchien aus. Die Betroffenen reagieren somit auf den Belastungsreiz mit Atemnot. Dies tritt vor allem bei sehr starken, spontanen Belastungen auf.


Darf ein Asthmatiker Sport treiben? Auf was muss er beim Bewegen achten?


Ja, unbedingt. Es gibt allerdings einiges zu beachten, damit dies ohne weitere Probleme möglich ist.

Zu Beginn einer sportlichen Betätigung ist es wichtig, dass das Kind sein aktuelles Tagesempfinden kennt. Typisch für die Erkrankung Asthma ist die Wechselhaftigkeit, hinsichtlich der Symptome und deren Auftreten.

Geht es dem Kind gut, so kann mit einem moderaten, stufenartigen Erwärmen begonnen werden. Dieses ist unheimlich wichtig, da ein „Kaltstart“ zur Verengung der Bronchien, zu Hyperventilation und somit zur Atemnot führen kann. Als sehr hilfreich haben sich intervallartige Belastungssituationen herausgestellt. So kann der Asthmatiker zwischen den Belastungen die Pause nutzen, um seine Atmung zu beruhigen.


Bei den Sportarten und Inhalten einer Sportstunde gehören Übungen zur Verbesserung der koordinativen Fähigkeiten und Inhalte zur Verbesserung der konditionellen Fähigkeiten zu den Grundlagen. Auf der einen Seite verbessert sich so die Bewegungsökonomie und infolgedessen kommt es zu einer besseren Nutzung der körpereigenen Ressourcen, auf der anderen Seite werden so vor allem Ausdauer und Kraftausdauer gestärkt. Dies führt zu einer Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit.


Ein Asthmatiker, der eine gute körperliche Leistungsfähigkeit besitzt, kann meist deutlich besser mit der Erkrankung umgehen, als ein Untrainierter. Außerdem lernen wir durch Training unseren Körper besser kennen. Durch dieses Körpergefühl können wir lernen Belastung angemessen zu dosieren und nehmen Warnsignale bei einer zu hohen Belastung besser wahr. So reagieren wir früher und können den „Worst-Case“ verhindern.


Welche atemerleichternden Stellungen gibt es?


Durch atemerleichternde Positionen ist es möglich, die Atmung zu erleichtern und im Anstrengungsfall Abhilfe zu schaffen. Wir können so die Bronchialmuskulatur entspannen und Symptome der Atemnot vermindern.


Alle atemerleichternden Stellungen nutzen dazu die Arme, um die Last des Oberkörpers und des Schultergürtels ab zu stützen. So kann sich die Muskulatur entspannen und die Symptome der beginnenden Atemnot werden schwächer.


Beispiele für die Positionen können „Schneidersitz“ oder die „Torwartstellung“ sein.


Betroffene sollten grundsätzlich, wenn sie schlecht Luft bekommen eine atemerleichternde Stellung einnehmen. Häufig geschieht dies intuitiv. Um den positiven Effekt noch zu verstärken wird idealerweise zusätzlich die Lippenbremse angewandt.


Was bewirkt die Lippenbremse?


Bei der Lippenbremse wird ganz bewusst gegen locker aufeinanderliegende, fast geschlossene Lippen ausgeatmet. Die Ausatmung wird bewusst sehr lang durchgeführt. Zum Einatmen wird der Mund geschlossen und die Nase genutzt.


Die Lippenbremse bewirkt eine Entspannung der Bronchialmuskulatur. Das Forcieren der Ausatmung wirkt zudem entspannend.

In Kombination mit atemerleichternden Stellungen tritt im Falle einer Atemnot wieder eine normale Atmung ein. Je nachdem, ob der Patient über Notfallmedikamente verfügt, ist es hilfreich diese zu verabreichen. Auch die Messung des Peak-Flows kann weitere Informationen zum aktuellen Zustand des Kindes geben. Gerade ab dem Schulalter sind die meisten Asthmatiker bereits so gut geschult, dass ihnen der Umgang mit der Erkrankung keinerlei Beschwerden bereitet. Das bedeutet natürlich nicht sie in einer Situation mit Atemnot allein zu lassen, keineswegs, es soll lediglich sagen, dass die Kinder die Begrifflichkeiten kennen und in Begleitung anwenden können.


Was sollte ein Sportlehrer oder Trainer im Umgang mit einem Asthmatiker wissen?


  • Informiert euch über die Art des Asthmas.

  • Erfrag, welche Auslöser zu einem Asthmaanfall führen können.

  • Fragt nach, welche Notfallmedikamente ein Kind benötigt und wo sie sich befinden. Viele Kinderärzte können Informationen für die Einnahme von Medikamenten weiter geben.

  • Lasst euch berichten, in welchen Zeiträumen bei dem Kind am häufigsten Atemnot auftritt.


Und zu guter Letzt:

Vermittelt so viel Normalität, wie möglich. Gerne in Kombination mit der Weitergabe von wichtigen Krankheitsinformationen. Dies hilft den Mitmenschen bestimmte Situationen zu verstehen. Für den Betroffenen stellt dies eine große Hilfe im Alltag dar.


Ein Sporttreiben mit der Erkrankung Asthma ist wichtig und sinnvoll, benötigt allerdings einige Hintergrundinformationen. Es ist grundsätzlich wichtig, die Art und Höhe der Belastung immer in Abhängigkeit vom tagesaktuellen Befinden des Betroffenen zu machen. Zusätzlich ist es gut zu wissen, wo sich Notfallmedikamente befinden und was eine Atempause bewirkt.

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