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Ran an den Familientisch!

Ein Rückblick auf die Beikost-Einführung unter Berücksichtigung der individuellen Frühförderung



Noch nie habe ich mir so viele Gedanken zum Essen gemacht, wie zu dem Zeitpunkt, als der Kinderarzt zu mir und meiner damals knapp 4 Monate alten Erstgeborenen sagte: „Sie können so langsam über das Zufüttern mit Brei nachdenken!“


Puh, ich habe erst einmal geschluckt und auf diesen kleinen Wurm auf meinem Arm geschaut, der doch mit jeder Milchmahlzeit recht zufrieden schien. Zugegeben, eine gute Trinkerin war sie noch nie und auch was Gewicht und Größe anging kein schwerer Riese. Trotzdem ließen mich diese Worte nachdenken und ich begann zu recherchieren.


Beikost, was genau bedeutet dies im ersten Lebensjahr?

Wie es der Name schon sagt, handelt es sich um die Möglichkeit, einen Säugling zusätzlich zu seiner Milchernährung ab einem gewissen Zeitpunkt an das Essen der Familie heranzuführen. Entscheidend ist der Wortbestandteil „Bei-“. Dieser zeigt ja bereits, dass es erst einmal um viel mehr geht, als darum möglichst schnell von der Milch wegzukommen. Für mich bedeutet dies, Lebensmittel kennenzulernen und das – wenn möglich mit allen Sinnen.


Doch woher kommt der soziale Druck, die Mahlzeiten zu ersetzen?

Dabei handelt es sich um ein von der Industrie suggeriertes Phänomen, welches sich über Generationen ins soziale Denen eingeschlichen hat. Es geht allerdings nur primär um den direkten Gewinn, welchen die Hersteller von Babynahrung damit machen. Zusätzlich wir die Mutter natürlich wieder unabhängiger vom Säugling und könnte mit ihrer Arbeitsleistung der Arbeitswelt zumindest teilweise zur Verfügung stehen. Die Folge sind viele Babys, die oftmals viel zu früh mit Brei gefüttert werden. Ein sozialer Zwang, der den Kleinen vieles verwehrt.


Für mich war schnell klar, dass dies nicht das ist, was ich mir für meinen Nachwuchs wünsche. Es musste doch noch eine andere Lösung geben. Und natürlich! Ich stolperte über das Thema „Breifrei“ und fand es interessant und unheimlich natürlich.

Ein Baby, welches Beikostreifezeichen erfüllt, kann so am Familientisch Teil der gemeinsamen Essenszeiten werden. Eine wunderbare Lösung.


Doch ab wann ist dies sinnvoll? Sollte mein gerade so 4 Monate alte Tochter etwa schon bei uns am Tisch sitzen?


Die entspannendeste Information, die ich oft finden konnte und die auch meine Hebamme bestätigte, war: Du hast alle Zeit, die dein Baby braucht! Mir hat es geholfen, von da an die alteingeschlichenen Mythen über die Ernährung von Säuglingen zunächst einmal kritisch zu hinterfragen und dann vor allem auf meine mütterliche Intuition zu hören.


Doch wann war jetzt dieser besagte „richtige“ Zeitpunkt? Mit dem Moment, an dem meine Tochter die Beikostreifezeichen erfüllte konnte und wollte sie auch gleich loslegen.

Beikostreifezeichen zeigen verschiedene motorische und kognitive Fähigkeiten auf, die ein Baby benötigt, um mit Freude und gefahrarm feste Nahrung kennenzulernen. „Den“ Zeitpunkt dafür gibt es nicht. Jedes Baby entwickelt sich in seinem individuellen Tempo. Einige sind mit knapp einem halben Jahr schon am Essen interessiert, andere lassen sich noch ein wenig mehr Zeit. Die Zeichen entwickeln sich nach und nach.


Die wichtigsten 6 Beikostreifezeichen:


  1. Dein Baby kann mit etwas Unterstützung aufrecht (passiv) Sitzen. Dies ist wichtig, da es in Rückenlage zum Verschlucken kommen kann.

  2. Es kann seinen Kopf alleine halten.

  3. Der Zungenstoßreflex, welcher zu Beginn alles „Feste“ aus dem Mund schiebt, ist verschwunden.

  4. Das Baby zeigt deutliches Interesse am Essen. Ein reines interessiertes Beobachten reicht dazu noch nicht aus.

  5. Das Baby kann selbstständig Nahrung greifen und zum Mund führen.

  6. Dein Baby macht Kaubewegungen.


Mein Mädel hat mit etwas mehr als 5 Monaten die Zeichen erfüllt. Und dann ging es auch schon los. Anfangs wirkte das selbstständige Essen eher wie eine Küchenschlacht. Doch aus bewegungstherapeutischer Sicht, ist dies eine unheimlich wichtige Erfahrung. Die Babys lernen so, es gibt verschiedene Konsistenten, Formen und Geschmäcker. Sie nutzen ihre Finger- und Handmotorischen Fähigkeiten in Kombination mit ihrem Geschmackssinn, um die Lebensmittel zu „begreifen“. Dabei können sie viele verschiedene Eindrücke sammeln. Dies führt zu einer vermehrten Synapsen Bildung im Gehirn. Die Reize aus vielen Ebenen müssen im Gehirn der Babys bewertet und gespeichert werden. Zu einem späteren Zeitpunkt kann das Kind diese dann wiederum abrufen. Ein Baby, welches sich mit allen Sinnen mit der Nahrung auseinandersetzen kann, macht also viele wichtige Sinneserfahrungen. Diese wirken sich wiederum positiv auf die gesamte Entwicklung des Individuums aus.


Doch wie sieht es in der Praxis aus? Was muss ich beachten?


Ich habe von Beginn an ohne Salz gekocht. Jeder Erwachsene musste bei uns nachsalzen. Für unser Baby gab es dann einen Teller, auf dem kleine Würfel von dem lagen, was auch bei uns auf dem Teller lag. Nudeln, Kartoffeln, Gemüse -sie durfte alles probieren. Meine Kinder mochten stets das sehr gerne, was auch ich öfter in der Schwangerschaft und Stillzeit gegessen habe.


Weiche und saftige Obstsorten waren bei uns unheimlich beliebt. Avocado, Birne und auch Apfel mochten die Kleinen stets sehr gerne. Genauso wie Mango und Banane.

Gemüse habe ich meist weich gekocht oder gedampfgart. In pommesähnlichen Stäbchen ließen sie sich super in der Hand halten.


Zum Abendessen gab es bei uns häufiger Brot. Hier habe ich tatsächlich selbst gebacken. Wurst, Frischkäse und auch Käse wurde alles probiert. Nach und nach kristalisierten sich Lieblingsgerichte heraus.

Bis wir die erste Milchmahlzeit ersetz hatten, hat es tatsächlich noch eine ganze Weile gedauert. Selbst mit ihren heute fast drei Jahren besteht unser Mini noch 1-2x in 24h auf ihre Milch. Wir nehmen dies ganz entspannt, da wir wissen, sie braucht es noch. Das natürliche Abstillalter der Kinder liegt irgendwo zwischen 3 und 6 Jahren. Bis dahin wird sie uns schon sagen, wenn sie es nicht mehr braucht.


Ach ja, keinen Brei zu füttern hat vor allem unseren Eltern, Großeltern und vielen in ihrer Generation zunächst ein Fragezeichen ins Gesicht gezaubert. Die Oma hat es sogar einmal sehr gut gemeint und versucht meiner großen Tochter ein Gläschen Obstmus unterzujubeln. Sie war völlig verdutzt, als ihr der Löffel beim ersten Versuch gleich entgegengepustet wurde.

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